Dienstag, 24. Juli 2018

Dick, dumm, faul und hässlich


Ein neuer Versuch - 2018

Bei Instagram war frau nicht amused. Oder zumindest schien es so. 3 Leute mochten es. Also, das T-shirt, als ich es am 22. April 2016 fotografierte und dort postete. Nur eine einzige Instagramerin (Simone : )) erkundigte sich nach dem Zweck.

Es ging um die Thematisierung der gängigsten Vorurteile gegen Dicke am eigenen Leib. Natürlich kann ich verstehen, wenn man die Konfrontation mit der Aufschrift zu anstregend und pessimistisch findet. Oder sie gar für albern, übertrieben oder unwahr hält. Aber es hilft ja nichts...

Dick: Unbestritten zutreffend. Aber im gängigen Gebrauch natürlich höchst negativ konnotiert.

Faul: Ich erzähle ja immer wieder gern die Geschichte von meinem ersten "Schulzeugnis", das eher ein Entwicklungsbericht war und in dem es hieß: "Nicola ist ein großes Mädchen, das sich (...) sparsam bewegt." Leute halten uns für faul. Weil wir dick sind. Das bedeutet automatisch, dass wir zu faul sind, abzunehmen. Und uns natürlich nicht genug bewegen. Denn wenn man sich genug bewegt, ist man eben nicht dick. Ist doch klar. Dass wir etwas anderes zu tun haben könnten, kommt unserer Umgebung nicht in den Sinn. Welche anderen Prioritäten könnte eine dicke Person haben. Herrje, Menschen in Studien würden lieber einen Arm oder ihr Augenlicht verlieren, als dick zu sein. Wie kann irgendein dicker Mensch auch nur an irgendetwas anderes denken, als daran, dünn zu werden? 

Well, guess what*...viele von uns denken über beträchtlich lange Lebensphasen hinweg tatsächlich an kaum etwas anderes. Und werden trotzdem nicht (langfristig) dünn. Wir sind dick, weil wir zu oft abgenommen haben. Wir haben hart daran gearbeitet, endlich einen "richtigen" Körper zu haben und in der Zwischenzeit haben wir uns obendrein mit geächteten und verächtlich gemachten Körpern durch den Alltag und vermutlich eine Reihe von Lebensriten (Schule, Ausbildung, Beziehungen, etc.) geschleppt. 

Wären unsere Körper nicht oft bereits in unserer Kindheit gegen uns verwendet und moralisch in Geiselhaft genommen worden - viele von uns hätten die so freigewordene Energie verwenden können, um spielend die Weltherrschaft an sich zu reißen. Wir sind nicht faul. Wir leisten all das, was andere auch leisten unter seelisch und gesellschaftlich erheblich erschwerten Bedingungen.

Dumm: Ach. Sie haben studiert? Diese Frage bin ich in meinem Leben nicht nur einmal mit gebührend demonstriertem Erstaunen gefragt worden. Auch gern mal von medizinischem Personal. 

Ja, hab ich. 

Und zwar höchstwahrscheinlich sehr viel länger als die meisten Menschen in den meisten Räumen, die ich je betreten habe. Von 46 Lebensjahren habe ich weit über die Hälfte in Schulen, Hochschulen und an Universitäten im In- und Auslad verbracht - nicht mit beruflicher Zielvorgabe, sondern nur aus purer Freude an der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem jeweiligen Fach und der Erfahrung des Studierens. Das ging alles so, weil ich die Eltern hatte, die ich hatte. Denen waren Bildung und Interesse wichtig, wirtschaftliche Verwertbarkeit eher kein Begriff. So landete ich unter anderem z.B. auch bei der Philosophie. Ich weiß außerdem, dass ich nicht dumm bin. Das ist irgendwann mal gemessen worden. Trotzdem stand in meinem ersten schulischen Entwicklungsbericht, dass "Nicola immer besonders genaue Anweisungen braucht, um eine Aufgabe erfüllen zu können." Heute weiß ich, dass das nicht daran lag, dass ich als Erstklässlerin keine Vorstellung davon hatte, wie man was macht, sondern dass ich im Gegenteil zu viele Ideen hatte, wie man etwas erledigen bzw. deuten könnte. Darum habe ich genau nachgefragt, um die exakte Vorstellung der Lehrkraft zu ermitteln. Schließlich sollte die ja das Ergebnis bewerten. Und davon, bewertet zu werden, verstand ich als "großes" Kind in der ersten Klasse bereits eine ganze Menge. Das Problem des Überhinterfragens habe ich heute bekanntlich noch immer. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass ich als kleines Kind mitunter so viel gefragt habe, dass sie mir oft gern entnervt eine geklebt hätte.

Das "große" Kind war also aus Sicht der LehrerInnen, mit denen meine Schullaufbahn begann, ein wenig einfältig und obendrein körperlich behäbig. Also tatsächlich dumm und faul? Von Anfang an? Und selbst als Erwachsene noch immer zu dumm, um richtig zu essen und zu faul, um regelmäßig zu turnen? Nun, es scheint fast so. ; )

Hässlich: Damit fängt alles an. Der ganze Ärger. Genau genommen handelt es sich hier ja um kein Vorurteil. Wenn man etwas sieht - sagen wir mal z.B. das eigene Kind - und es gefällt einem nicht, was man sieht, dann ist das doch eher ein Urteil. Und eine Tatsache, zumindest im persönlichen Universum. Meiner Mutter gefiel ihr "großes" Kind nicht. Darum setzte sie es bereits im Kindergarten auf Diät, anstatt es einfach erst einmal in Ruhe weiterwachsen zu lassen. Beim Versuch, das Kind zu verringern, ging es nicht primär um dessen Gesundheit. Es ging um Angleichung an die Norm und die Sorge, das monströse Kind könnte es später als Monster-Teenager und Godzilla-Erwachsene ob seiner Optik gesellschaftlich schwer haben. Und so kam es dann ja auch.  

Die Gesellschaft, in der meine Mutter operierte, war so fettphobisch wie die heutige. Und meine Mutter war es auch. Die Gleichung Fett = hässlich war damals bereits so gültig wie heute, und (Norm)Schönheit war für Frauen im Grunde das Wichtigste. Daran hat sich nicht nur nicht viel geändert - es gibt Stimmen, die warnen, dass sich dieses Prinzip im letzten Jahrzehnt womöglich noch verstärkt hat und dass der Druck zur optischen Selbstoptimierung eher größer als kleiner geworden ist. Da ändert erst recht keine Alibi-Fotostrecke mit großen Größen oder die Wahl eines "kurvigen Topmodels" etwas. Tatsächlich beweisen solche Vorstöße nur die Verhärtung eigentlich überkommener Frauenbilder.

Ich erinnere mich (etwas ungenau) an ein Fernsehinterview mit der Talk-Show-Moderatorin (und womöglichen Präsidentschaftskandidatin 2020) Oprah Winfrey, das ich vermutlich in den Neunzigern gesehen habe. Darin beschrieb sie, wie sie die Stufen auf die Bühne einer Preisverleihung erklomm, um sich auf dem damaligen Höhepunkt ihrer Karriere vor großem Publikum eine bedeutende Auszeichnung abzuholen, und wie sie bei diesem bis dato wichtigsten und eigentlich glücklichsten Ereignis ihres Lebens an nicht anderes denken konnte, als daran, wie dick sie in ihrem Abendkleid von hinten aussehen musste. Das, gab sie im Rückblick zu, verdarb ihr im Grunde die ganze Veranstaltung und raubte ihr den Stolz und die Freude. Die Konsequenz, die sie daraus zog, war, noch eine Diät zu machen. Die Jo-Jo-Diäten der Frau Winfrey (sie begann damit in den Siebzigern) haben naturgemäß immer öffentlich stattgefunden und sind mittlerweile legendär. Sie hatte Großes geleistet. Und es bedeutete am Ende nichts, weil sie dick und damit als Frau definitiv "hässlich" war. Damit hatte Sie in der Hauptdisziplin, dem Schönheitswettbewerb, ohnehin komplett verloren.

Was denken sie von uns?

Und nein, das war nicht alles nur in ihrem eigenen Kopf. Natürlich fanden die Zuschauer reihenweise, dass sie zu fett war und damit bedauerlicherweise hinter ihren äußerlichen Möglichkeiten erheblich zurückblieb und dass das auch die Bedeutung ihrer eigentlichen Leistung schmälerte. Die Lüge von der Selbstliebe, mit deren Hilfe frau sich die Welt macht, wie sie ihr gefällt, wird niemanden daran hindern, genau DAS über dicke Menschen zu denken, zu sagen, zu schreiben, zu publizieren und über die Straße zu rufen: Dumm, faul, hässlich. Die Gesellschaft macht schließlich noch immer kein Hehl aus ihrer Abneigung gegen Körperfett. Da helfen nur offene Gegenwehr und Diskussion.

Darum das T-shirt.




*Na, stell dir mal vor...

NH

Donnerstag, 19. Juli 2018

Warum Amy Schumers "I feel pretty" ein wirklich lahmer Film ist

"I feel pretty" war ein schwächliches Filmchen.

Der Grund, warum die Beschäftigung mit dem Thema "Schönheitsnormen" in Mainstream-Medien meistens schief läuft, ist, dass zu viel Verwirrung in den Köpfen der Macherinnen herrscht. Und niemals auch nur ansatzweise genug freie Radikalität. Das ist in diesem Falle allerdings umso verwunderlicher, als dass frau immer dachte, Amy Schumer mangele es zumindest an Letzterem nicht.

Die Protagonistin Renee, dargestellt von Amee Schumer, knallt im Spinning-Kurs vom Heimtrainer, schlägt sich bös den Kopf an und sieht sich fortan mit neuen Augen: Sie hält sich für umwerfend normschön. Tatsächlich war das ein von ihr vorher geäußerter Wunsch, einmal im Leben zu erfahren, wie es ist, "undeniably pretty" (unbestreitbar hübsch) zu sein. Allerdings ist sie die einzige, die sich selbst als "wunderschön" im Spiegel sieht. Alle anderen sehen genau das, was auch schon vorher da war. Und da fängt der Ärger für die aufmerksame Zuschauerin schon gleich an. Denn es ist also ein Missverständnis, dessen beharrliche Nicht-Auflösung mit jedem neuen Begebnis ein immer größeres Rätsel wird und ganz klar macht, dass keiner der Beteiligten besonders hell bzw. mit normalem Menschenverstand ausgestattet ist, das den ganzen seichten Film trägt. Die Freundinnen begucken die neue, unausstehlich selbstverliebte Renee, als ob sie den Verstand verloren hat, fragen aber nie so richtig nach. Die fragen nie: Was hat dich denn bloß so verändert? Auch alle anderen um Renee herum sind offenbar schlicht viel zu höflich, um auch nur ansatzweise Verwunderung oder leichte Indignation zu äußern, wenn Renee die eigene, umwerfende Schönheit besingt. Sogar Naomi Campbell wird nicht deutlich genug. Warum Renee eine grässliche und hektische Aufschneiderin werden muss, bloß weil sie glaubt, neuerdings einem Supermodel zu gleichen, bleibt übrigens ebenso ungeklärt. Kurzum: Eine Handlung, die nur läuft, weil alle Mitwirkenden sich komplett unnatürlich verhalten, bringt mich regelmäßig dazu, den Bildschirm anzuschreien. Im Kino war das ja aber nicht möglich. Ich muss sagen, dass war alles ausgesprochen stressig für mich. Obendrein litt ich zwischendrin immer wieder unter üblen Ugly-Betty-Flashbacks.

Und was ist jetzt eigentlich der verdammte Punkt?

Renee, die glaubt, nun für alle Welt sichtbar normschön zu sein, aber es gar nicht ist, wird allein durch diese innere Veränderung kühner, selbstsicherer und damit auch in der Außenwelt erfolgreicher - im Beruf (bei einer Kosmetikfirma) und bei Männern. Besonders bei Männern. Und sie traut sich, an einer Schönheitskonkurrenz teilzunehmen und sich auf der Bühne Wasser über das T-shirt zu schütten.

Fazit wäre dann vermutlich wieder das gute, alte "Liebe dich selbst, ändere deine Einstellung, und dann wird alles gut". Wir haben es ja angeblichh selbst in der Hand, wie uns die Welt begegnet. Und wir sind selbst verantwortlich, zuständig und selbst schuld, wenn's doch nicht gut läuft. Als Beweis muss im Film ein Model mit Selbstzweifeln und Beziehungsproblemen herhalten. Die kriegt ihr Leben trotz perfekter Hülle nicht auf die Reihe. Das ist ein echt uralter, abgegrabbelter Hut und außerdem eher nicht zutreffend als doch. Außerdem wird die bloße Gültigkeit sowie die Notwendigkeit/Wichtigkeit von Körpernormen und Schönheitsstandards mal wieder nicht in Frage gestellt.

Der Film ist, wie gesagt, eine Enttäuschung.

Aber nicht aus den Gründen, aus denen Amy Schumer und ihr "neuer Film" nach seinem Erscheinen im Internet shitstormartig kritisiert wurden. Dort warf frau ihr vor, dass sie selbst zu normattraktiv sei, um die Rolle überhaupt zu spielen, denn wenn so jemand wie sie sich wegen ihres Aussehens angeblich so fertig macht, was sollen denn dann bitteschön erst die machen, die noch viel weniger ins Schema passen? Sie fanden also, Amy Schumer sei nicht "hässlich" genug, um sich glaubwürdig im eigenen Körper schlecht zu fühlen - und betrieben damit unterschwellig und auf regelrecht idiotische Weise Bodyshaming. Offenbar gab es (auch mal wieder) in ihrer Welt, Körper, deren Inhaberinnen sehr wohl gute Gründe hätten, sich ihres Aussehens wegen mies zu fühlen. Aber der von Amy Schumer gehört (noch) nicht dazu. Nun könnte man sich natürlich fragen, wo genau da die Grenze verläuft. Ab wann sollte ich mich denn unzulänglich fühlen dürfen? Wie sähe ich denn dann aus? Nun...bei meinem Gewicht würden mir die verwirrten Kritikerinnen von Amy Schumer wahrscheinlich mehr Verständnis in dieser Hinsicht entgegenbringen. Natürlich demonstriert diese Art der Kritik aber auch nur wieder die unlösebare Verhaftung der meisten Leute im Glauben an die Bedeutung und und Gültigkeit von Schönheitsstandards. Sie sollten alle nachsitzen. Und tausendmal "Schönheitsnormen schaden allen Menschen" an die Tafel schreiben.


NH

Freitag, 22. Juni 2018

Warum ich den Film "Embrace" wirklich schlecht finde

Es soll ja Frauen geben, die bei der Doku "Embrace" der Australierin Taryn Brumfitt vor Ergriffenheit geweint haben. Mich ergriff mal wieder nur die kalte Wut. Denn der Film ist echt schlecht. Und so unehrlich wie ein Sechseuroschein. Was er nicht ist, ist feministisch - auch wenn Wikipedia das behauptet. 

In dem Film geht es um das westliche weibliche Schönheitsideal. Eigentlich sollte es wohl herausgefordert und hinterfragt werden, aber dazu war offenbar wieder keiner so richtig in der Lage. Zu tief hängen doch immer wieder die Wurzeln im Sumpf der jahrzehntelangen eigenen Programmierung. Trotz der Auftritte der Aktivistin Jes Baker (die mit der Abercrombie-Fitch-Fotoreihe) und der Wissenschaftlerin und Aktivistin Linda Bacon schafft es der Film zu keiner Zeit, die Orientierung am Normativen zu überwinden. 

Es ist das alte, ermüdende Spiel. Wir sind für eine Minute ein ganz doll empört über rigide Schönheitsnormen, denen wir bis dahin und eigentlich auch weiterhin gern selbst entsprächen und tun außerdem ganz kurz so, als seien schließlich alle Menschen irgendwie schön, besonders dann, wenn wir "Ausstrahlung" mit ins Spiel bringen. Es gibt natürlich auch Wichtigeres als Schönheit - z.B. Kinder zu kriegen und Marathons zu laufen. Aber dazu später. 


Ob es "Schönheit" überhaupt gibt und warum irgendwer überhaupt schön, bzw. ersatzschön sein muss, ist kein Thema. Das ließe sich auch nicht mehr in ganz so flauschiger Art verpacken. Aber Radikalität ist Frau Brumfitts Sache selbstverständlich nicht. Da ist auch Mitproduzentin Nora Tschirner wenig hilfreich. Die wird nicht müde zu betonen, wie unwichtig ihr Äußerlichkeiten und wie langweilig Glamour und rote Teppiche sind - nur um im Film selbst mit Brumfitt auf einem eben solchen zu stehen. Damit wir wissen, dass sie sehr wohl ein Teil der Glitzerwelt ist, obwohl es ihr nichts, aber auch gar nichts bedeutet...Yupp.

Für Taryn Brumfitt begann ihr Engagement auf dem Gebiet der Selbstakzeptanz mit einem biederen Nacktfoto (der biedere Ehemann beschreibt es erleichtert als "geschmackvoll"), das im Internet virale Verbreitung erfuhr. Es zeigte ihren Post-Baby-Body sitzend mit Rettungsring um den Bauch. Als dreifache Mutter wollte sie ein Zeichen setzen und die Welt wissen lassen, dass sie sich ihr "Wellfleisch verdient" habe. Soll heißen - der angenommenen Unattraktivität des Körpers steht hier eine Leistung, bzw. ein Nichtselbstverschulden gegenüber.


In einer Flut von E- Mails von verzweifelten Frauen wurde Taryn danach angeblich gefragt, wie sie es geschafft habe, ihren etwas abgenutzten Körper zu lieben. Dummerweise sind sie da alle an die falsche geraten. Denn Taryn Brumfitt liebt ihren Körper nicht. Wer seinen Körper liebt, muss sein Aussehen nicht in einem Film von 90 Minuten Länge pausenlos rechtfertigen.

Zu kitschiger Musik wird Brumfitts erstes Kind vor unseren Augen geboren. (Das mit den Kreißsaalvideos hab ich ja ehrlich noch nie verstanden.) Trotz der "Jellybellymess", die dadurch entsteht, sagt Brumfitt den Termin für die Bauchstraffung doch noch ab, um ihrer Tochter ein "gutes Vorbild" zu sein. Als ob es eine zur moralischen Heldin macht, keine Schönheitsoperation zu haben, sondern lieber etwas viel Drastischeres zu tun, um zu genügen: Nach 15 Wochen Training nimmt Brumfitt an einem Body-Building-Wettbewerb teil. 


Das Foto von gestählten Muskeln wird zum Vorher-Foto, das mit dem Rettungsring zum Nachher-Foto. Verkehrte Welt und gut für 3,6 Millionen Klicks.

Im Film bespricht Brumfitt die bedauerliche Tatsache, dass sich "45% aller Frauen mit gesundem Gewicht für übergewichtig halten" mit der Chefredakteurin der australischen Cosmopolitan, Mia Freedman. Die setzt sich ja irgendwie schon seit immer dafür ein, dass sich daran etwas ändert. Was, wird mithin nicht klar, bzw. eher nicht weiter thematisiert. Viel wichtiger ist aber, dass hier ganz selbstverständlich von beiden Frauen davon ausgegangen wird, dass es Körper gibt, deren Eigentümerinnen sie fälschlicherweise für maßlos, also für zu dick, halten und solche, die wirklich zu dick sind. Denen, die sich zu dick finden, sollte geholfen werden. Die "echten" Dicken fallen unter den Tisch. Klonk! Die sind ja auch nicht gesund.

Und schwupps - da joggt Taryn Brumfitt schon wieder durchs Bild. Das passiert im Film öfter mal, denn schließlich ist sie kein "lazy pig". Ihr Körper ist "fit and strong" und kann, wir hörten schon davon, einen Marathon überstehen. Kurz danach stehen die Chancen übrigens ziemlich gut, wieder Bilder von Schwangeren zu sehen. Das kitschig-penetrante Herumreiten auf weiblicher Fruchtbarkeit als ultimativem Leistungsbeweis und Ablassbrief im Hinblick auf das Lockern von Körpernormen ist regelrecht ein wenig eklig. Offenbar sind Dellen und hängende Brüste vor allem dann akzeptabel, wenn sie durch Fortpflanzung entstanden sind. Weil: Geburt = Leistung = Normabweichung verdient. Was bitteschön ist also mit Körpern, die nichts leisten? Die weder Kinder bekommen, noch joggen, noch fit sind, noch Öffentlichkeitsarbeit machen? Und was ist mit Körpern, die den gängigen Standards noch nie entsprochen haben? Einfach so. Ohne besonderen Grund oder Niederlage?

Grundsätzlich geht es in dem Film nämlich vorrangig um "schuldlos" verlorene Normattraktivität. Bei zwei der Gesprächspartnerinnen haben gar Tumore bzw. ein Feuer zu großen Veränderungen im Gesicht geführt. Aber auch diese Frauen "verdienen" sich ihr Recht auf diese Abweichung durch außergewöhnliches öffentliches Engagement und einen unerschütterlichen, ja fast übermenschlichen Optimismus: "Maybe it was the best thing that ever happened to me." (Turia Pitt, Brandopfer)

Was oberflächlich so aussieht wie eine rosafarbene  Pyjamaparty unter mittelalten Frauen mit Selbsthilferuppeneinschlag ist in Wirklichkeit am Ende auch nicht anderes als knallharte Beurteilung, Festhalten an Normen und Leistungsprinzipien und entsprechend der Aufruf - na, wozu wohl - richtig, an sich zu arbeiten. Und zwar immerzu. Wenn schon nicht am Körper, so doch an der eigenen Einstellung.

NH

Freitag, 15. Juni 2018

Ausgelesen: "Nicht direkt perfekt" von Nicole Jäger

"Ich mache mir immer Gedanken darüber, wie ich wohl gerade aussehe. Immer." (S. 10)


Einer meiner Vorsätze für 2018 war, keine schlechten Bücher mehr zu lesen. Hat bekanntlich mal wieder nicht geklappt. Erst die relative Enttäuschung über Magda Albrechts biederes "Fatshionsta" und nun auch noch das.

Obwohl es im Fall von Nicole Jägers "Nicht direkt perfekt" streng genommen keinerlei Enttäuschung gab - es bestanden ohnehin keine großen Hoffnungen. Das Buch ist erwartungsgemäß sprachlich daneben und vollgestopft mit Quatsch. Und dann noch mit den Wiederholungen von eben jenem Quatsch. Im Zuge ihrer unsäglichen, SIEBZEHN!!!seitigen Danksagung bedankt sich Nicole Jäger übrigens auch bei ihrer Lektorin Susanne Frank. Jeder gequälten Leserin, die sich bis zu diesem Punkt durchgearbeitet hat, bleibt nur noch, mit letzter Kraft aufzuheulen: "Wofüüür?!" Bei der Vorstellung, wie unerträglich der Ausgangstext tatsächlich gewesen sein muss, wenn hier wirklich noch eine professionelle Nachbearbeitung erfolgt sein soll, kräuseln sich einem die Fußnägel hoch. Selten habe ich ein Buch in Händen gehalten, bei dem so klar war, dass hier irgendwie und wie auch immer Papier gefüllt werden sollte. Weil man halt unbedingt einen Nachfolger für den vorangegangenen Bestseller "Die Fettlöserin" herauspressen wollte.

Dummerweise ist der Nachfolger (zumindest relativ) gefloppt. Nicht wegen des Lektorats, das war beim Vorgänger wie gesagt auch nicht besser. Sondern, weil die (vermutliche) Superlügengeschichte vom Rekordgewicht von 340 kg, die den ersten Erguss weit ins Land trug, im zweiten Werk eben nicht mehr zieht. Denn die Frau Jäger nimmt nicht mehr ab. Sie hat es noch immer vor. Jedenfalls sagt sie das. Aber sie tut es nicht. Ganz so, wie wahrscheinlich die meisten ihrer zuvor begeisterten Leserinnen.

Glauben sollte man der Frau Jäger sodann auch im zweiten Werk nicht allzu viel. Das Buch ist nicht nur verdammt langatmig und redundant - es war offenbar der Versuch, auf einen komplett artfremden Zug aufzuspringen und sich weibliche Selbstakzeptanz (im allerweitesten Sinne) als neues Betätigungsfeld und Einnahmequelle unter den Nagel zu reißen. Solange es mit dem Dünnwerden nichts wird, nimmt sie eben einen Umweg über die Selbstakzeptanz. Ist ja jetzt auch irgendwie in.

Auf der Hand liegt, dass die Frau Jäger auch ganz ohne gezielten Umbau der Wahrheit hierbei ein substantielles Glaubwürdigkeitsproblem hat, hat sie doch im Vorgängerbuch tausendmal ihren Leserinnen in deren Ärsche treten wollen, damit sie bitteschön endlich abnehmen. Auch so etwas, was das Lektorat damals nicht verhindert hat. Eine deutliche Distanzierung von ihrem ursprünglichen Lob des Diätens nimmt Frau Jäger im neueren Werk mithin nicht vor.

Dafür verrät jedoch der Titel "Nicht direkt perfekt"schon genau, was dann zwischen den Buchdeckeln hauptsächlich stattfindet - von der Gültigkeit von Schönheitsnormen mag sich die Autorin gedanklich gar nicht trennen, denn offenbar gibt es in ihrer Welt sehr wohl so etwas wie ein "perfektes" Äußeres sowie deutliche Abweichungen davon. Das führt zum einen dazu, dass ihre Solidarität mit der "nicht direkt perfekten Leserinnenschaft" nur eine verlogene ist - so wie die von Frauenzeitschriften in der Regel auch. Zum anderen veranlasst es die Autorin zu einer auf verwirrende Weise selbstbeweihräuchernden Selbstdarstellung als eine Mischung aus einsamer Drama Queen, kapriziöser Sitcom-Protagonistin und Femme Fatale. Tatsächlich bezeichnet sie sich quer durch das Buch hindurch selbst als "Diva". Bei den kuscheligen Aufzählungen ihrer "Schwächen" (das dünne Haar, die hängende Haut, die chaotische "Künstlerseele" (S. 251)) scheint es sich mithin lediglich um Koketterie zu handeln, die sich vor dem Hintergrund ihrer eigentlichen Grandiosität zwecks Sympathierhalts eben einfach schickt.

Wenn frau den Schilderungen der Frau Jäger glauben mag, dann ist sie in der Tat ein männermordender Vamp, ein veritabler Penis-Magnet, bei dem große, breitschultrige Männer vom vordersten Ende der Nahrungskette in Bars und Clubs regelmäßig Schlange stehen. Das Buch fängt an mit Film Noir für Anspruchslose: "Ein Club, ein Abend, ein angekratztes Ego, ein paar Gin und plötzlich war er da." (S. 9) Und geht dann auch schön platt weiter: "Der Boy neben mir ist auch nice (...) und sowie er guckt, werde ich schon bald herausfinden, wie sein Body aussieht." (S. 11)

Wieder und wieder jubelt uns die Autorin ihren vermeintlich immensen Erfahrungsschatz auf dem Gebiet der Frau-Mann-Beziehung unter: "Mein Körpergefühl habe ich mir erarbeitet, erheult, erfickt..." (S. 66) "Ich brauchte Männer, die mir auf den Hintern (...) und ab und an sogar ins Gesicht guckten. (...) ich brauchte schlechte One-Night-Stands, tausend Laufmaschen, abgebrochene Absätze, verlaufenes Make-up, beschissene Beziehungen..." (S. 67/68) "Ich wurde schon für alle möglichen Arten von Frauen verlassen..." (S. 149) "Ich habe schon so manche Beziehung (...) gegen die Wand gesetzt..." (S. 175) "Ich trennte mich. Man trennte sich von mir. Man trennte sich im beiderseitigen Einverständnis, wie es immer so schön heißt,..." (S. 176)

Und dann wäre da ja auch noch eine in die Brüche gegangene Ehe zeitlich unterzubringen, bei deren Aufarbeitung im Buch die Frau Jäger ihrem verspießerten Ex mit einer gehörigen Portion Bitterkeit so richtig eins überbrät: "Eine Trennung, die das Ende einer Beziehung markierte, die vom ersten Tag an ein Ablaufdatum hatte." (S. 180) Und er ging ihr "auf die Eier, die er nicht hatte." (S. 185) Autsch...

Da staunt der Leihe und Nicola wundert sich. Die hat bekanntlich unter großen Anstrengungen das Erstbuch komplett gelesen und fragt sich, wann die Frau Jäger bis Mitte dreißig bloß all diese Millionen von Affären und Beziehungen gehabt haben will, auch im Hinblick auf die Tatsache, dass sie einen nicht unerheblichen Teil ihrer besonders dating-relevanten Jahre in einem Körper verbracht haben muss, mit dem es mitunter gar nicht so leicht gewesen sein kann, sich ohne Hilfe zu bewegen, geschweige denn mit ihm in tausenden von Nachtclubs Horden von Verehrern abzuwehren. Wenn die erste Lebensgeschichte stimmen soll, scheint die zweite schlicht nicht machbar.

Was hilft es anderen Frauen überhaupt, wenn man ihnen erzählt, was für eine Sexbombe man ("trotz" eines Gewichts von 170 kg und damit einer erheblichen Abweichung von gängigen Schönheitsnormen) ist? Wäre es nicht sinnvoller, zu verkünden, dass es schlicht für niemanden wichtig ist, eine Sexbombe zu sein?  Das würde der Frau Jäger freilich niemals in den Sinn kommen, denn: "Ich für meinen Teil bin jedenfalls in keinem Moment schöner als in jenem, in dem mich ein Mann begehrt." (S. 218)

Davon handelt im Grunde das ganze lange Buch. 

Von der Validierung durch männliche Zustimmung und der Tatsache, dass bestehende Körpernormen durchaus gelten, aber für das Gelingen individueller Lebensgeschichten, insbesondere in sexueller Hinsicht, nicht immer von ganz sooo großer Bedeutung sein müssen, wenn Frau eben nur anderweitig genug Großartigkeit entwickeln kann. Wie frau das macht? Nun, frau ist natürlich selbst dafür verantwortlich. Und natürlich selbst schuld, wenn es ihr nicht gelingen mag: "Ich glaube, das Problem liegt nicht im Spiegelbild und auch nicht im Auge des Betrachters, sondern in unseren eigenen Köpfen." (S. 82) Alles findet eh nur "in unseren Köpfen statt." (S. 83) Und "letztlich haben wir alle an dieser Misere Schuld." (S. 129)

Sprach's, und hub an zu einer bemerkenswerten Body-Shaming-Tirade: "...Meister-Verkorkserin meiner eigenen Figur..." (S. 51), "...dick zu sein ist kein Drama..." (S. 35), "Scheiß drauf, dass du nicht perfekt bist..." (S. 131), "...weil man figürlich nicht der Knaller ist..." (S. 151), "...darf ich mich wohlfühlen (...), obwohl ich nicht so perfekt aussehe?" (S. 205), "...obwohl ich genau weiß, ich sehe aus wie eine gestrandete Boje." (S. 242) "...und wenn alles straffer, schlanker (...) oder filigraner wäre, wäre es vielleicht auch nicht schlecht." (S. 117), "...aber, Himmel!, sehe ich nackt beschissen aus. Das lässt sich nicht schönreden." (S. 79), "Du darfst gerne 'Problemzonen' haben..." (S. 63), u.s.w.

Wenigstens ist die Menstruation nichts Ekliges. Das erklärt die Frau Jäger uns in befremdlicher Breite zwischen Seite 88 und Seite 105, denn offenbar "huschen nicht wenige Frauen durch Drogeriemärkte und verstecken ihre Tampons und Binden unter ein paar Bananen..." (S. 89) Donnerwetter. So einen Satz muss frau ja auch erst einmal erdenken, aufschreiben und dann selbst aushalten. Damit hat die Frau Jäger nebst Lektorats-"Vasallin" Frank (S. 250) jedoch erwartungsgemäß ganz und gar keine Probleme. Ganz im Gegenteil - für ein wenig Pathologisierung der menstruierenden Frau findet sich natürlich immer noch ein Plätzchen auf dem Papier: "PMS macht aus uns weinerliche Lappen, ekelhafte Furien, gemeine Drachen, todtraurige Gestalten, hoffnungslose Jungfern und heroische Kriegerinnen. (...) Und wir sind machtlos dagegen." (S. 101)

Was mir noch aufgefallen ist: Im Kapitel "Große Schwester" (ab S. 133) geht es um eine Essstörung, die im Diätratgeber meines Wissens nach nicht wirklich thematisiert worden ist. Die Frau Jäger gibt hier nun aber an, esssüchtig zu sein, stilisiert ihre Essstörung mit Pomp und Pathos zur Person und spricht sie direkt an. In der Tat handelt es sich bei der Essstörung um die "große Schwester" aus der Überschrift (S. 141), was mich ganz frappierend an meine Nachforschungen in der Pro-Ana-Bewegung vor ein paar Jahren erinnert hat. Da bekam Ana (die Anorexie) ebenfalls die Rolle einer ganz besonderen, düsteren Freundin und Begleiterin in den Leben der Betroffenen zugesprochen. Über die Rolle der großen Schwester im Leben der Frau Jäger mag ich nicht wirklich noch mehr spekulieren - immerhin droht sie: "Ich bringe zur nächsten emotionalen Messerstecherei meine große Schwester mit." (S. 146) Aber ein wenig gruselig ist das jetzt schon, oder? Might wanna get that checked out.*

Ach, und, als ob nicht alles schon fürchterlich genug wäre, redet die Frau Jäger zu guter Letzt auch noch über Feminismus. Warum eigentlich - das hat sich mir einfach nicht erschlossen. Und mir fällt erst recht kein Grund ein, warum das irgendeine lesen sollte. Wer Beweise braucht: "In dem Moment, in dem Männer nicht mehr Kerle sein dürfen und Frauen dafür welche sein sollen, läuft meinem Erachten nach etwas ganz fürchterlich schief." (S. 228) Nun ist es schon so, dass die Frau Jäger dafür ist, dass alle die gleichen Rechte haben. Aber sie will auf keinen Fall damit aufhören müssen, sich zu rasieren. (S. 233) Facepalm. Sie weiß selbstverständlich auch, dass wir "selbst den unangenehmsten Zeitgenossinnen unter ihnen (den Feministinnen) verdanken, dass wir heute stehen, wo wir stehen" (S. 231), aber der Begriff Feministin ist nun einmal so "muffig" und "schlimm verstaubt". (S. 226) Noch einmal: Facepalm.

Interessant wird das Buch für mich nur an einer einzigen Stelle, weil ich dort einen Schimmer Wahrhaftigkeit vermute - und, wie so oft, ist die Wahrheit nicht beabsichtigt. Aus heiterem Himmel betreibt die Frau Jäger Publikumsbeschimpfung. Angriffe im Internet setzen ihr offenbar sehr viel mehr zu, als es professionell wäre. Sie schreibt diese dem Neid der Angreifer auf sie zu und ist zutiefst enttäuscht darüber, dass Ihre Fans sie nicht mehr und wirkungsvoller verteidigen. Offenbar haben die nicht wirklich begriffen, wer sie eigentlich ist: "Weil Neid eben doch von allen Seiten hässlich ist und die Community der 'Zu-mir-Halter' allem Anschein nach vergesslich ist, wenn Worte wie Pflastersteine fliegen und die Luft brennt, ich dabei zusehen muss, wie der 'Ich stehe hinter dir'-Fresseaufreißer wegrennt, immer dann, dann, (nein, kein Typo) wenn ich einen Wingman bräuchte." (S. 246)

Nein, zu beneiden ist sie wirklich nicht.


NH

*Da würde ich an deiner Stelle mal einen Arzt fragen.



Freitag, 25. Mai 2018

VLOGGING: Decluttering 1 / Aussortieren


Ich habe das im letzten Post versprochene erste Video zum Ausmisten tatsächlich gedreht und, zack!, auch einfach gleich veröffentlicht. Sehen könnt ihr es HIER. 

Ich plaudere darin ein wenig über die Tücken des Aussortierens von emotionalem und anderem Kram, den man aus höchst irrationalen aber auch vielfältigen Gründen überhaupt jemals aufgehoben hat. Bei dem Filmchen handelt es sich auch um so eine Art Auftaktveranstaltung zum Themenkreis Horten und Aufräumen, weil ich dazu noch eine ganze Reihe von Beiträgen plane. Denn ich befinde mich bekanntlich seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) und immer weiter im Kampf gegen die Dinge in meinem unmittelbaren Lebensraum. Und wenn ich Kampf sage, dann meine ich das auch ganz genau so. Außerdem wird man halt irgendwann beim langjährigen Ringen mit der eigenen Problematik ganz nebenbei auch zur Expertin für eben diese. Wenn es um Strategien und Methoden des Ausmistens geht, macht mir so leicht keine was vor. Wie auf dem weiten Feld der Diäten habe ich alles ausprobiert und vieles scheitern sehen.

Allerdings werde ich nicht aufhören, aufzuräumen. Anders als im Falle von Diäten, bin ich hier nach wie vor überzeugt, dass sich der Kampf lohnt, und dass das erwünschte Ergebnis auch erhalten werden kann. Denn das Leben ist so viel einfacher, wenn alles im Haus einen Platz hat, der idealerweise auch noch leicht zu erreichen ist. Gerade heute habe ich im Auto so darüber nachgedacht, dass ich eigentlich mittlerweile nur noch sehr wenig Zeit damit verbringe, Dinge zu suchen. Die Regel "ein Platz für alles und alles an seinem Platz" ist bei mir zu Hause tatsächlich inzwischen umgesetzt worden. Mein größtes Problem ist nun, den Strom von Dingen, die hereinkommen, wirksamer zu verringern. Soll heißen: Ich schleppe noch immer viel zu viel neuen Kram an, der oft erst einmal keinen Platz hat. Und das nicht nur organisatorisch, sondern buchstäblich. Dann muss Altes raus, um Platz zu schaffen. Aber sich zu trennen, ist oft nicht einfach, Und dann kommt alles ins Stocken, Ärger und Überforderung blühen ganz schnell wieder in grellen Farben und man bekommt das vertraute Gefühl, schlicht niemals wirklich Herrin der Lage zu sein.

Meine Herausforderungen für die kommenden Monate liegen im Keller (mal wieder), in der Küche, dem Schafzimmer und dem Kabäuschen. Also eigentlich überall, wobei Schlafzimmer und Keller am gruseligsten sind. Der Keller ist, nachdem er bereits ein paarmal recht aufgeräumt und organisiert gewesen ist, im Augenblick wieder so voll, dass mir Kartons entgegen fallen, wenn ich die Tür öffne.

Im Schlafzimmer ist der Kleiderschrank das größte Projekt. Darin ist im Augenblick nicht genug Luft für all meine Kleider. Die stehen zum Teil in Wäschekörben davor. Gleichzeitig habe ich Schwierigkeiten, im vollgestopften Schrank meine Kleidung für den Tag morgens schnell und einfach zu finden. Das größte Ziel ist aber Vereinfachung. Ich bestehe quasi darauf, dass der Alltag leicht wird. Da ist überhaupt der Grund, warum ich das Chaos und die Dinge so verbissen aufhalten will.

Und irgendwann werde ich dann die Kamera todesmutig in den Keller tragen. Da gibt es genug  Material für einen zünftigen Messie-Mehrteiler. Aber vorerst nun erst einmal eine milde Einleitung auf YouTube. Es würde mich übrigens außerordentlich interessieren, über euer Verhältnis zu den Dingen auch etwas zu erfahren. : )

NH